Informationen für Patienten

Was ist die PHA-TUC?

Die Psychotherapeutische Hochschulambulanz TU Chemnitz GmbH (PHA-TUC) ist eine Therapieeinrichtung, die von der TU Chemnitz und der dortigen Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie getragen wird.


Wer kann dort behandelt werden?

In der PHA-TUC können Patienten aller Altersstufen (Erwachsene, Kinder & Senioren), sämtlicher Krankenversicherungen (gesetzliche und private Krankenkassen, Beihilfe, Unfall- und Rentenversicherung) sowie Selbstzahler psychotherapeutisch behandelt werden. Das Behandlungsangebot erstreckt sich auf das gesamte Spektrum der psychischen Störungen einschließlich akuter psychischer Krisen. Der Bereich der Kinder- und Jugendtherapie befindet sich noch im Aufbau und kann derzeit noch nicht angeboten werden. Zusätzlich kann die PHA-TUC in Anspruch genommen werden für eine alleinige psychodiagnostische Abklärung zur eventuellen Weiterbehandlung in anderen Einrichtungen oder auch für die (kostenpflichtige) Erstellung von Gutachten.

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Wer behandelt die Patienten mit welchen Verfahren und Methoden?

An der PHA-TUC arbeiten in der Therapie ausschließlich approbierte Psychologische PsychotherapeutInnen bzw. Kinder- und Jugendlichen-PsychotherapeutInnen, aber keine AusbildungskandidatInnen oder Studierende. Die PHA-TUC bietet die Verfahrensrichtung der Verhaltenstherapie mit deren Weiterentwicklungen (z.B. kognitive Verhaltenstherapie, Achtsamkeitsbasierte Psychotherapie, CBASP, Emotionsorientierte Psychotherapie) an. Es kommen in der Routinebehandlung ausschließlich wissenschaftliche gesicherte („evidenzbasierte“) Behandlungsmethoden zum Einsatz (mit Ausnahme von „ASK“-Fällen oder im Rahmen von Forschungsprojekten, wie unten näher erläutert).


Wie läuft eine Psychotherapie in der PHA-TUC ab?

Jede Person mit psychischen Problemen kann sich direkt, d.h. ohne vorherige Hausarztkonsultation und ohne Überweisungsschein in der PHA-TUC vorstellen. Vor der Entscheidung über eine Psychotherapiebehandlung erfolgt an der PHA-TUC eine diagnostische Abklärung und Indikationsstellung. Dazu dient die Psychotherapeutische Ambulanzleitersprechstunde (bei Prof. Dr. Stephan Mühlig) sowie eine Anzahl von 2-4 probatorischen Sitzungen. Danach wird gemeinsam von PatientIn und TherapeutIn in der Regel ein Antrag auf Kostenerstattung bei der zuständigen Krankenkasse gestellt, der innerhalb von ca. vier Wochen entschieden wird. Der Umfang der beantragten Psychotherapiestunden ist abhängig von Störungsart, Symptomschwere und Komplexität der Problematik sowie dem individuellen Therapiebedarf der Patienten. Anschließend beginnt die Psychotherapie in einem Umfang zwischen 12 und 90 Behandlungseinheiten.

Die Therapie erfolgt meistens im Einzelsetting. Die PHA-TUC bietet bei Bedarf und Eignung aber auch Gruppenpsychotherapie an und baut perspektivisch Therapievorbereitungskurse und Wartezeitüberbrückungsmaßnahmen auf.

PTV 10

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist eine Behandlung von psychischen ("seelischen") Erkrankungen mithilfe von wissenschaftlich anerkannten Verfahren, Methoden und Techniken. Psychische Erkrankungen können das Erleben, das Verhalten sowie das geistige und körperliche Wohlbefinden stark beeinträchtigen und mit Leid, Angst, Verunsicherung und Einschränkungen der Lebensqualität einhergehen. Eine Psychotherapie ist dann ratsam, wenn psychische Probleme nicht mehr allein oder mit Hilfe der Familie oder von Freunden gelöst werden können, zu Krankheitserscheinungen führen und die alltäglichen Anforderungen des Lebens nicht mehr bewältigt werden können. Vor Beginn einer Psychotherapie ist eine Abklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt zur Frage notwendig, ob körperliche Ursachen für die psychische Erkrankung verantwortlich oder mitverantwortlich sein können. Alle psychotherapeutischen Behandlungen haben gemeinsam, dass sie über das persönliche Gespräch erfolgen, das durch spezielle Methoden und Techniken ergänzt werden kann (z.B. freie Mitteilung von Gedanken und Einfällen, konkrete Aufgaben um z.B. Ängste zu bewältigen oder spielerisches Handeln in der Therapie von Kindern).

Wie funktioniert eine Psychotherapie?

Die psychotherapeutische Behandlung hilft seelisches Leid und seelische Krankheit durch das Gespräch mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten mit spezieller Ausbildung zur Behandlung psychischer Erkrankungen zu lindern oder zu bessern. Die Behandlung kann mit der Therapeutin oder dem Therapeuten allein oder im Rahmen einer Gruppentherapie erfolgen. Einzel­behandlungen haben in der Regel eine Dauer von 50 Minuten, Gruppentherapien eine Dauer von 100 Minuten. Bei der Behand­lung von Kindern und Jugendlichen kann es hilfreich und notwendig sein, Bezugspersonen aus dem familiären und sozialen Umfeld mit einzubeziehen. Dies kann im Rahmen von zusätzlichen therapeutischen Gesprächen allein mit den Bezugspersonen erfolgen. Eine wesentliche Bedingung für das Gelingen jeder Psychotherapie ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Patientin oder Patient und Therapeutin oder Therapeut sowie eine Klärung, ob das geplante Psychotherapieverfahren den Erwartungen der Patientin oder des Patienten entgegenkommt. Auf dieser Grundlage bietet Psychotherapie die Möglichkeit, in einem geschütz­ten Rahmen das eigene Erleben und Verhalten sowie Beziehungserfahrungen zu besprechen, zu erleben und zu überdenken und infolge dessen Veränderungen auszuprobieren und herbeizuführen.

Wer übernimmt die Kosten für eine Psychotherapie?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Psychotherapie, wenn diese zur Behandlung einer psychi­schen Erkrankung notwendig ist. Ambulante Psychotherapie ist eine zuzahlungsfreie Leistung. Eine Überweisung ist nicht erforderlich, die Vorlage der elektronischen Gesundheitskarte ist ausreichend. Einen Wechsel der Krankenversicherung muss die Patientin oder der Patient der Therapeutin oder dem Therapeuten zeitnah mitteilen. Im Erstgespräch (Psychotherapeutische Sprechstunde) klärt die Patientin oder der Patient mit der Therapeutin oder dem Therapeuten, ob eine Psychotherapie oder eine andere Maßnahme für die individuelle Problemlage geeignet ist. Eine reine Erziehungs-, Ehe-, Lebens- oder Sexualbera­tung ist keine Psychotherapie und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Diese Maßnahmen werden von entsprechenden Beratungsstellen, in der Regel kostenfrei, angeboten.

Wie beantrage ich eine Psychotherapie?

Vor Beginn einer Psychotherapie finden Probegespräche, sogenannte probatorische Sitzungen, statt. Hierbei prüfen Patientin oder Patient und Therapeutin oder Therapeut, ob die "Chemie" zwischen ihnen stimmt und eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden kann. Die Therapeutin oder der Therapeut erklärt die Vorgehensweise. Therapieziele, Behandlungsplan und voraussichtliche Therapiedauer werden gemeinsam besprochen und festgelegt. Entscheiden sich Patientin oder Patient und Therapeutin oder Therapeut für eine Psychotherapie, stellt die Patientin oder der Patient bei ihrer oder seiner Krankenkasse einen Antrag auf Übernahme der Kosten. Wenn eine Langzeittherapie (mehr als 24 Therapieeinheiten) geplant ist, schreibt die Therapeutin oder der Therapeut zusätzlich einen Bericht zur Begründung der Notwendigkeit der Langzeittherapie. Dieser wird ohne Nennung des Patientennamens in einem verschlossenen Umschlag an eine externe Gutachterin oder einen externen Gutachter zur Prüfung übermittelt. Nach Eingang des Antrags prüft die Krankenkasse, bei Langzeittherapien auch unter Berücksichtigung der gutachterlichen Stellungnahme, ob eine Kostenzusage erfolgen kann und teilt dies der Versicherten oder dem Versicherten mit.

Wer führt psychotherapeutische Behandlungen durch?

Psychotherapeutische Behandlungen dürfen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung nur von Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten sowie von psychotherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden, wenn diese über eine Kassenzulassung verfügen. Neben der psychotherapeutischen Behandlung von psychischen Erkrankungen kann zusätzlich eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, die jedoch nur von Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden darf.

Welche psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Psychotherapeutische Akutbehandlung

Bei besonders dringendem Behandlungsbedarf kann eine Psychotherapeutische Akutbehandlung im Umfang von bis zu 12 Be­handlungen zu je 50 Minuten Dauer in Frage kommen. Eine Akutbehandlung dient der Krisenintervention und kann - falls erforderlich - in eine Kurzzeitpsychotherapie oder in eine Langzeitpsychotherapie übergeführt werden. Bereits durchgeführte Therapieeinheiten der Akutbehandlung werden auf die nachfolgende Psychotherapie angerechnet. Für eine Akutbehandlung ist nur das Einzelgespräch vorgesehen.

Ambulante Psychotherapie

Ambulante Psychotherapie kann in allen Psychotherapieverfahren als Einzeltherapie, in einer Gruppe oder als Kombination von Einzel- und Gruppenpsychotherapie durchgeführt werden. Die Häufigkeit der Sitzungen kann je nach Verfahren und Behandlungsverlauf variieren und wird individuell von Patientin bzw. Patient und Therapeutin bzw. Therapeut vereinbart. Die Gruppenpsychotherapie nutzt zusätzlich Beziehungserfahrungen und das wechselseitige Lernen zwischen den Patientinnen und/oder den Patienten in der Gruppe für die Psychotherapie. Der Gemeinsame Bundesausschuss (www.g-ba.de) entscheidet, welche psychotherapeutischen Behandlungsverfahren und -methoden als Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt sind. Dies sind derzeit:

Analytische Psychotherapie

Die analytische Psychotherapie nimmt an, dass Krankheitssymptome durch konflikthafte unbewusste Verarbeitung von frühen oder später im Leben erworbenen Lebens- und Beziehungserfahrungen verursacht und aufrechterhalten werden. In der therapeutischen Beziehung zwischen Patientin oder Patient und Therapeutin oder Therapeut spielt das Erkennen und Bewusst­machen von verdrängten Gefühlen, Erinnerungen und Beziehungsmustern, die gegenwärtig Krankheitssymptome verursachen, eine zentrale Rolle. Dadurch kann in der Gegenwart zunächst unverständlich erscheinendes Fühlen und Handeln in der thera­peutischen Beziehungsarbeit verstanden und verändert werden.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sieht Krankheitssymptome als Folge von aktuellen Konflikten in Beziehungen oder von nicht bewältigten Beziehungserfahrungen und Konflikten aus früheren Lebensphasen. Diese Konflikte und Erfahrungen können das spätere Leben bestimmen und psychische Erkrankungen zur Folge haben. Ziel der Behandlung ist es, die zugrundeliegenden unbewussten Motive und Konflikte der aktuellen Symptome zu erkennen und sich mit diesen auseinander­zusetzen. Patientin oder Patient werden in der Psychotherapie dabei unterstützt, durch Einsichten in die zusammenhänge und Ursachen der aktuellen Symptome Veränderungen im Erleben oder Verhalten zu erreichen.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass psychische Beschwerden das Ergebnis von bewussten und nicht-bewussten Lernprozessen sind. Zu Beginn der Behandlung wird gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet, welche Bedingungen seiner Lebensgeschichte und seiner aktuellen Lebenssituation zur Entstehung und Aufrechterhaltung der psychischen Symptomatik beigetragen haben und weiter wirksam sind. Auf dieser Grundlage werden gemeinsam die Therapieziele und der Behandlungs­plan festgelegt. In der Verhaltenstherapie wird der Patient zur aktiven Veränderung seines Handelns, Denkens und Fühlens motiviert und angeleitet. Dabei werden die bereits vorhandenen Stärken und Fähigkeiten herausgearbeitet und für den Veränderungsprozess nutzbar gemacht.

Quelle: KBV, PTV10, Stand Januar 2017


Ausnahmeregelung für „ASK“-Fälle mit Überweisungsschein

In Sonderfällen werden Patienten mit ärztlicher Überweisung zeitnah aufgenommen, die wegen der Art, Schwere oder Komplexität ihrer Störung (ASK) einer spezialisierten Behandlung bedürfen. In diesen Fällen dürfen – im Gegensatz zur Niederlassungspraxis - auch zusätzliche als die in den Psychotherapierichtlinien festgelegten Psychotherapiemethoden oder -umsetzungen (Frequenz, Dauer, Länge) angewendet werden.


Forschung und Lehre

In einer Psychotherapeutischen Hochschulambulanz finden Aktivitäten zu Zwecken von Forschung und Lehre statt. Alle Psychotherapien in Deutschland müssen nach den gesetzlichen Vorschriften und den geltenden Psychotherapie-Richtlinien dokumentiert werden. Sofern Patienten dafür ihre Einwilligung erteilen, werden Therapiestunden zu Dokumentationszwecken aufgezeichnet. Diese Daten dürfen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen und nur mit ausdrücklicher Zustimmung der PatientInnen für Lehr- und Forschungszwecke verwendet werden.


Einbeziehung von Psychologie-Studierenden an der TU Chemnitz und von Falldaten in die universitäre Lehre

Die PHA-TUC soll Studierenden der Psychologie an der TU Chemnitz praktische Einblicke in das Berufsfeld der ambulanten vertragsärztlichen Psychotherapie und die Anwendung klinisch-psychologischer Basiskompetenzen ermöglichen. Zu diesem Zweck können Studierende Praktika und Hospitationen an der PHA-TUC absolvieren oder bei der Durchführung von Patientenbefragungen oder der Testdiagnostik mitwirken. Bei vorliegender Patienteneinwilligung können pseudonymisierte schriftliche Patientendaten (ohne Namen oder personbezogene Informationen) für die Lehre verwendet werden, z.B. um Störungsbilder in Vorlesungen oder Seminaren der TU Chemnitz an konkreten Beispielen zu veranschaulichen. Patientenaufnahmen der Routinedokumentation werden in Lehrveranstaltungen selbstverständlich nicht vorgespielt. Einzelne Aufnahmen dürfen nur dann für die Lehre verwendet werden, wenn der/die Betreffende dafür ausdrücklich seine schriftliche und zeitlich befristete Zustimmung erteilt. In Ausnahmefällen wird PatientInnen angeboten, in universitären Lehrveranstaltungen vor - verschwiegenheitsverpflichteten -Psychologie-Studierenden über ihre Erfahrungen mit ihrer Störung und deren Therapie persönlich zu berichten.


Forschungsprojekte

Die schriftlichen Dokumentationsdaten der PHA-TUC werden zu Zwecken der Qualitätssicherung und Evaluationsforschung oder zum Zwecke der Ursachenforschung in pseudonymisierter bzw. anonymisierter Form wissenschaftlich ausgewertet. Therapieaufnahmen dürfen nur dann für Forschungszwecke genutzt werden, wenn der/die Betreffende dafür eine schriftliche Zustimmung erteilt hat.

In der PHA-TUC werden zukünftig auch spezielle Forschungsprojekte mit bestimmten Patienten(-gruppen) durchgeführt werden, bspw. um die Wirksamkeit von Psychotherapiemethoden zu prüfen oder bestehende Behandlungsmethoden weiter zu entwickeln und zu verbessern. Patienten, die für ein Forschungsprojekt in Frage kommen, werden vorab darüber ausführlich informiert und um freiwillige Teilnahme gebeten. Patienten und deren Daten dürfen nur dann in Forschungsprojekte eingezogen werden, wenn sie dafür vorab ausdrücklich ihre schriftliche Einverständnis erklärt haben.

Jeder Patient/jede Patientin der PHA-TUC hat das Recht, jederzeit ohne Begründung und ohne Nachteile, die Teilnahme an Forschungsvorhaben abzulehnen.